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19. Jahrhundert

Aufbruch in die Moderne. Der rheinische Adel in westeuropäischer Perspektive 1750–1850

in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland (Dr. Hans-Werner Langbrandtner, Referent für die Adelsarchivpflege und die wissenschaftliche Benutzungsberatung, LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum Brauweiler) und den Vereinigten Adelsarchiven im Rheinland e.V.

Projektleitung: Prof. Dr. Gudrun Gersmann
Projektmitarbeiterin: Ulrike Schmitz
Doktoranden/-innen: Martin Braun, Christine Schmitt, Ulrike Schmitz, Florian Schönfuß

» Zur LVR-Internetseite des Projekts

Hervorgegangen aus der Forschungsarbeit der Projektgruppe:

Gudrun Gersmann, Hans-Werner Langbrandtner (Hg.), Adlige Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen der Frühen Neuzeit, Köln/ Weimar/ Wien (Böhlau) 2009.

» Zum Inhaltsverzeichnis (PDF-Dokument, 236 KB)
» Zur Dokumentation der Buchvorstellung auf der Internetseite von BM-TV

Gegenstand des Forschungsprojektes

Eine wissenschaftliche Tagung zum Thema »Aufbruch in die Moderne« bildete im September 2007 in Brauweiler bei Köln den Auftakt zu einem internationalen, großräumig angelegten Projekt zur Adelsforschung im deutsch-französischen Kontext. Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Problematik von Kontinuität und Veränderung in der sogenannten »Sattelzeit« zwischen 1750 und 1850 als Phase des tief greifenden Umbruchs im Übergang von der ständischen zur modernen bürgerlich geprägten Gesellschaft. Das Projekt wird insbesondere legitimiert durch die nachweislich intensiven Beziehungen rheinischer Adeliger nach Frankreich und der seit jeher engen politischen wie kulturellen Verflechtung der linksrheinischen Reichsterritorien mit den französischen Nachbarn.

Die Forschungsfelder erstrecken sich von Fragen nach adeliger Revolutionserfahrung und den Karrierewegen des Adels in dieser Zeit über den Stellenwert von Paris als kulturellem Orientierungspunkt und dem Verhalten des Adels gegenüber der französischen Herrschaft bis hin zur Frage nach der Bedeutung des Adels für die Frühindustrialisierung der Region und den Chancen eines adeligen Neubeginns nach der napoleonischen Herrschaft.

Zielsetzungen

Ziel ist die Entwicklung und Vernetzung der Adelsforschung im deutsch-französischen Kontext, die Nachwuchsförderung sowie die Wissensvermittlung und -verbreitung forschungsbasierter Informationen an nicht forschende Organisationen und die Öffentlichkeit.

Im Sinne einer effizienten wissenschaftlichen Vernetzung sind ein deutscher und ein französischer Projektstandort parallel im Aufbau begriffen. Derzeit werden die notwendigen Voraussetzungen für Forschungsarbeiten geschaffen, indem relevante deutsche und französische Quellenbestände identifiziert und teilweise unerschlossene Archivbestände verzeichnet werden. Die Ergebnisse der archivischen Erschließungsarbeiten zu den Quellenbeständen für die »Sattelzeit« aus staatlichen, kirchlichen, kommunalen und privaten Archiven werden abschließend in einem wissenschaftlichen Sachinventar publiziert. Zeitgleich dazu werden Nachwuchswissenschaftler gefördert, vernetzt, und entstehende wissenschaftliche Arbeiten in eine breitere westeuropäische Perspektive gestellt, welche die weit reichenden Verbindungen und Aktionsräume einer »noblesse sans frontières« deutlich werden lässt.

Erste Ergebnisse konnten bereits Anfang April 2008 im Rahmen von zwei Studientagen am DHIP präsentiert werden. Künftige deutsch-französische Forschungsinteressen sollen beispielhaft in der prominenten ehelichen Verbindung zwischen dem rheinischen Adeligen Josef Fürst Salm-Reifferscheidt-Dyck und seiner zweiten Ehefrau Constance de Théis gebündelt und die Teilergebnisse in einer richtungsweisenden Monografie zur Adelsgeschichte in der »Sattelzeit« zusammengefasst werden.

Da Forschungseinrichtungen über die Qualität der hervorgebrachten wissenschaftlichen Leistungen hinaus zunehmend an deren Transfer in andere gesellschaftliche Gebiete und Wissensvermittlung an nicht forschende Organisationen und an die breitere Öffentlichkeit gemessen werden, bildet die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit neben Wissenschaftsentwicklung und Nachwuchsförderung einen weiteren Schwerpunkt der Projektarbeiten. Dieser innovative Ansatz führte zum Entschluss der Sozial- und Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Rheinland, das deutsch-französische Projekt künftig bei der Rückvermittlung von Forschungsergebnissen in den Kulturraum Rheinland zu unterstützen.

Ferner ist es ein erklärtes Ziel der internationalen Vernetzungsarbeit, auch Adelsforscher aus benachbarten Landschaften, wie beispielsweise dem holländischen Maas-Raum, im Sinne einer breiter angelegten westeuropäischen Perspektive für eine Zusammenarbeit mit dem deutsch-französischen Projekt zu gewinnen.

Gudrun Gersmann, Aufbruch in die Moderne?! Der rheinische Adel in der Sattelzeit. Überlegungen zu einem deutsch-französischen Forschungsprojekt, in: Rheinische Vierteljahresblätter 73 (2009), S. 244-251.

Gudrun Gersmann, Hans-Werner Langbrandtner (Hg.), Adlige Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen der Frühen Neuzeit, Köln/ Weimar/ Wien 2009.

Beiträge von Hans-Werner Langbrandtner und Christine Schmitt unter dem Titel »Geschichtswissenschaft aktuell: Aufbruch in die Moderne. Der Rheinische Adel in westeuropäischer Perspektive von 1750-1850. Ein Forschungsprojekt des Deutschen Historischen Instituts Paris und der Archivberatung des Landschaftsverbandes Rheinland« sind in folgenden Publikationsreihen erschienen:

Düsseldorfer Jahrbuch 79 (2009), S. 405-414.
Niederrhein Magazin 7 (2009), S. 3-11.
Heimatbuch des Kreises Viersen 61 (2010), S. 97-105.
Bonner Geschichtsblätter 59 (2009), S. 65-73.
Kerpener Heimatblätter 2 (2009), S. 405-417.
Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises 77 (2009), S. 270-277.
Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins 5 (2009), S. 27-35.
Jahrbuch des Kreises Düren 2010, S. 119-125.
Hürther Beiträge zur Geschichte, Kultur und Regionalkunde 88 (2009), S. 19-28.
Rheydter Jahrbuch 28 (2009), S. 79-85.