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Claudie Paye, Der französischen Sprache mächtig. Kommunikation im Spannungsfeld von Sprachen und Kulturen im Königreich Westphalen 1807-1813, München (Oldenbourg) 2013.
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Nur wenige Jahre (1807–1813) bestand das Königreich Westphalen unter der Regierung von Jérôme Bonaparte. Die Beherrschung der französischen Sprache erhielt dort einen ganz besonderen Stellenwert. Trotz gelegentlich heftiger Thematisierung der Sprachbarriere verlief die Kommunikation zwischen Deutsch- und Französischsprachigen offenbar so ›normal‹, dass ihre Überlieferung eher zufällig ist. Claudie Paye untersucht, wer in Westphalen »der französischen Sprache mächtig« war und wie die Zeitgenossen mit Überwachung und Zensur umgingen. Sie rekonstruiert anhand von Polizeiakten die Mediennutzung der Westphalen, die über die gängigen Druckmedien weit hinausging und auch Mimik, Gerüchte, Briefe, Druckgrafiken, Karikaturen und symbolische Handlungen einbezog. Sie führt so in die westphälische Alltagswirklichkeit ein und veranschaulicht die Politisierung breiterer Gesellschaftsschichten.
Inhalt
Einleitung – 1. Problemstellung und Ausgangslage – 2. Sprachpolitisches Erbe der Französischen Revolution und des Empire – Aufbruch in das Zeitalter der Nationen – 3. Themenkomplexe und Fragestellung – 4. Forschungsstand – 5. Aufbau der Untersuchung – 6. Quellengrundlage, Methode und Begriffe – A. Sprachpolitik im Königreich Westphalen – 1. Staatliche Überlegungen zum Sprachgebrauch in Verwaltung und Regierung – 2. Zum Umgang der Staatsbeamten mit der verordneten Zweisprachigkeit – 3. Schul(sprach)politik als Langzeitprojekt der offiziellen westphälischen Sprachpolitik? – 4. Fazit: Schulpolitik versus Sprachpolitik? – B. Sprach- und Kommunikationspraktiken – I. Übersetzer, Dolmetscher und zweisprachige Schreiber – Die Suche nach den Übersetzungspraktiken – 1. Übersetzer, Dolmetscher und zweisprachige Schreiber – 2. Übersetzungspraxis – 3. Offizielle wie ›Ad-hoc‹-Übersetzer und -Dolmetscher zwischen Wirklichkeit und Metapher – II. Spracherwerb: von französischen Sprachlehrern und -lehrbüchern zu russischen Dolmetschern – 1. Französischer Spracherwerb – 2. Russische Dolmetscher – 3. Fazit und Zusammenführung: Sprachpolitik ›von unten‹ – III. Bittschriften à la française: von französisierten Bittschriften und professionellen Bittschriften in französischer Sprache – 1. Bittschriftenschreiber – 2. Staatliche Perspektive und Regulierungsversuche des Bittschriftenwesen – 3. Strategisches Handeln, Sprachbilder und Sprachgestus – 4. Bittschriften als Kommunikationsprozess – IV. Karikaturen: Interdependenz von Bild, Schrift und Erzählung – 1. Universelle, länder- und sprachspezifische antinapoleonische Karikaturen – 2. Karikaturen im Gespräch und in den westphälischen Polizeiberichten – 3. Verknüpfte Bildlichkeit, Schriftlichkeit und Mündlichkeit – 4. Karikaturen auf Alltagsgegenständen oder die zeitkritische materielle Kultur der Westphalen – 5. Weitere staatskritische und satirische Darstellungen und ihre Gemeinsamkeiten mit den Karikaturen – 6. Erzählte Karikaturen und die innere kollektive Bild(referenz)welt der Westphalen – V. Die verbotene »Handlung« des Zinngießers Taberger oder der kleine Sarg des »Anstoßes« – 1. Vorspann zur Affäre Taberger im Februar 1813 – 2. Interpretation der Sarginszenierung im Schaufenster des Zinngießers Taberger – 3. Zum Umgang der westphälischen Gesellschaft mit dem Tod – 4. Der Sarg, die Mamelucken und der »escadron sacré« im Schaufenster des Zinngießers Taberger – 5. Tabergers Perspektive und die Wahrnehmung des Sarges durch die Hannoveraner – 6. Vom Schaufenster Tabergers zu den pluralen kommunikativen Strategien der Westphalen – VI. Königlich-westphälische Wappen zwischen Aneignung und Angriff – 1. Wappen als Identifikationsangebot für die Westphalen und ihre Aneignung – 2. Hohn und Spott auf die westphälischen Wappen – 3. 1809: Ab- und Anmontieren westphälischer Wappen – 4. Demonstrativer Angriff auf die königlich-westphälischen Wappen an Herrschaftsgebäuden im Jahr 1813 – 5. Weitere Eskalation in den Angriffen der Westphalen auf die westphälischen Wappen – 6. Schlussakt: Zerstörung des Napoleonstandbilds – 7. Umgang mit Wappen zwischen tradiertem Muster und ungekannter Eskalation C. Sprachbewusstein, Verständigungsschwierigkeiten, Sprachdominanz und -konflikt – 1. Vom Sprachbewusstsein der Zeitgenossen und Sprachverständigungsschwierigkeiten – 2. Von der Sprachdominanz des Französischen über das Deutsche – 3. Von Sprachbarrieren und sprachlich bedingten Konfliktsituationen – 4. Fazit: die soziokulturelle und politische Relevanz der Sprachenfrage – D. Schlusswort – »Der französischen Sprache mächtig«, mit der russischen gewappnet – 1. Merkmale des kommunikativen Spektrums der westphälischen Gesellschaft – 2. Befunde zur westphälischen Sprachenfrage – 3. Anbindung an den Forschungsstand zum Königreich Westphalen – 4. Fazit: »Der französischen Sprache mächtig«, mit der russischen gewappnet –Archiv- und Literaturverzeichnis – 1. Archivverzeichnis –2. Gedruckte Quellen – 3. Literatur – Personenregister – Ortsregister – Sachregister.

Cristina Léon, Zwischen Paris und Moskau. Kommunistische Vorstadtidentität und lokale Erinnerungskultur in Ivry-sur-Seine, München (Oldenbourg) 2012
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Die Pariser Vorstadt Ivry-sur-Seine ist seit 1925 eine Hochburg des französischen Kommunismus. Trotz Repressionen und weitgehender Ausgrenzung aus der französischen Mehrheitsgesellschaft konnte der Parti communiste français (PCF) seine Hegemonialstellung in Ivry halten und seit den 1960er Jahren noch weiter ausbauen. Lokale, nationale und auch ideologische Faktoren begünstigten die Entstehung dieses politisch- sozialen Milieus, dessen Gedankenwelt einen Teil der französischen Linken bis heute prägt. Die Studie geht der Frage nach, wie das kommunistische Milieu vor den Toren von Paris entstehen und seinen spezifischen Charakter über die Brüche der politischen Systeme in Frankreich hinaus im 20. Jahrhundert behalten konnte.
Vorwort, S. IX – 1. Einleitung, S. 1 – 2. Zur Konstituierung eines soziokulturellen Raumes vor dem Ersten Weltkrieg: die Suburbanisierung der Pariser »banlieue«, S. 15 – 2.1. Französische Binnenmigration und Industrialisierung als Determinanten der kommunalen Entwicklung, S. 16 – 2.2. Das Verhältnis von Paris zu seinem Umland, S. 23 –2.3. Die sozialistische Vorkriegsidentität von Ivry-sur-Seine, S. 29 –3. Die erinnerte Zeit: Ivry und die Résistance, S. 37 – 3.1. Lokale Milieubildung als Prämisse für den kommunistischen Widerstand, S. 37 – 3.2. Akteure und Vernetzung der Résistance während der deutschen Besatzung, S. 80 – 4. Kommemoration von Widerstand und Verfolgung in Ivry von 1944/45 bis 1964/65, S. 121 – 4.1. Erinnerungspolitik der kommunistischen »municipalité«, S. 121 – 4.2. Erinnerungsarbeit der Vereine Ivrys unter dem Dach der UFAC, S. 172 – 4.3. Limitrophe Abgrenzung: Kommemorationen in nichtkommunistischen Nachbarstädten, S. 199 – 5. Diversität des Gedächtnisses: Neue und alte Formen der Erinnerung an die Résistance in lokaler und transnationaler Perspektive von 1964/65 bis 1989/90, S. 215 – 5.1. Der Generationenwechsel als Herausforderung an Ivrys Politikelite, S. 215 – 5.2. Der französische Kommunismus in den 1960er Jahren, S. 220 – 5.3. Erweiterung des lokalkommunistischen Gedächtnisses durch Kontaktpflege mit der DDR, S. 232 – 5.4. Auf dem Weg zum Résistancemuseum als verewigtes Erlebnis der »génération du feu«, S. 271 – 5.5. Gedächtniserweiterungen im Zeichen eines universellen »Antifaschismus« unter Bürgermeister Jacques Laloë, S. 287 – 5.6. Die Reaktion Ivrys auf die deutsche Wiedervereinigung und den Zusammenbruch der Sowjetunion, S. 322 – 6. Zusammenfassende Schlussbetrachtung, S 329 – Abkürzungsverzeichnis, S. 339 – Quellenverzeichnis, S. 341 – Literaturverzeichnis, S. 345 – Personen-, Sach- und Ortsregister, S. 354