Pariser Historische Studien

Band 108

Raphaël Cahen, Friedrich Gentz, 1764–1832. Penseur post-Lumières et acteur du nouvel ordre européen (Pariser Historische Studien, 108), Berlin (De Gruyter) 2017.

Friedrich Gentz (1764–1832), heute der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, war eine der brillantesten europäischen Persönlichkeiten der Zeitspanne von der französischen Revolution bis zu den 1830er Jahren. In der Geschichtsschreibung waren sein Leben und sein Werk Anlass für zahlreiche Verwechslungen, Ungenauigkeiten und vereinfachende Verknüpfungen. Basierend auf einer großen Zahl unveröffentlichter Quellen, betrachtet die vorliegende Studie die Theorien sowie die politischen Aktivitäten dieses Denkers in ihrer ganzen Komplexität neu und arbeitet dabei Nuancen, Gegensätze und Kontinuitäten heraus.

Der ehemalige Student und Nacheiferer Kants, der Übersetzer und Interpret von Burke, der Spezialist der Staatsfinanzen, der »Sekretär Europas« während des Wiener Kongresses, erscheint als ein kosmopoliter Denker, der sich für eine europäische Verständigung einsetzt und sich jeder Form von Extremismus entgegenstellt, ein Befürworter von Reformen, die mehr Freiheiten garantieren, ein Verteidiger eines beschränkten Interventionsrechtes als Garant der europäischen Gemeinschaft und seiner Stabilität.

Durch die vorliegende Studie erhält das Denken dieses liberalen Konservativen in der Nachfolge der Aufklärung innerhalb unserer globalisierten und multipolaren Welt eine prägnante Aktualität.