Zeitgeschichte

Forschungsprojekt

Der Zweite Weltkrieg – Alltag unter deutscher Besatzung

Dr. Stefan Martens

Dr. Stefan Martens

Stellvertretender Direktor
Abteilungsleiter Zeitgeschichte

smartens@dhi-paris.fr


Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist in den vergangenen Jahren vor allem als Geschichte der nationalsozialistischen Expansion und ihrer Akteure und als »Tätergeschichte« geschrieben worden. Schwerpunkte der Forschungstätigkeit waren und sind der Holocaust und die Verbrechen der Wehrmacht und der SS. Hinzu tritt in den meisten ehemals besetzten Ländern eine starke Ausrichtung auf den Widerstand. Die Situation lokaler Bevölkerungen unter den Bedingungen deutscher Besatzung ist demgegenüber ein Defizit in Forschung und Dokumentation geblieben.

Das internationale Forschungs- und Editionsprojekt »Societies under German Occupation – Experiences and Memory in World War II« unter der Leitung von Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer (Kulturwissenschaftliches Institut Essen und Bergische Universität Wuppertal) und Prof. Dr. Peter Haslinger (Herder-Institut) unter Mitarbeit von Prof. Dr. Irina Sherbakowa (Universität Moskau), Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Universität Warschau) und Dr. Stefan Martens (DHIP) soll helfen diese Lücke zu schließen.

Edition von Quellen zu Alltags- und Gewalterfahrungen der Lokalbevölkerungen in den von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten

Ziel des Projektes ist eine forschungsgestützte Edition von Quellen zu Alltags- und Gewalterfahrungen der Lokalbevölkerungen in den von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten. Gefördert wird das Projekt von der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation. An dem Forschungs- und Editionsprojekt sind Kooperationspartner/innen aus insgesamt 15 europäischen Ländern beteiligt, die sich schwerpunktmäßig oder ausschließlich mit der Geschichte des jeweiligen Landes im Zweiten Weltkrieg befassen.

Die Edition, die in englischer Sprache in Printform und als Onlineportal geplant ist, dokumentiert durch den vergleichenden Blick auf Phänomene des Kriegsalltags in Europa und die Situation lokaler Bevölkerungen. Sie beleuchtet erstmals länderübergreifend ein für die europäische Erinnerungs- und Geschichtspolitik zentrales Themenfeld. Sie möchte einen Beitrag zur Geschichte lokaler Bevölkerungen unter den Besatzungsbedingungen des Zweiten Weltkriegs leisten und neue Wege in der Historiographie des Zweiten Weltkriegs aufzeigen.

Bildnachweis: Farbdiapositiv von Georg Bölts, Granville (Frankreich) 1940. © R. Bölts

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