Zeitgeschichte

Forschungsprojekt

Heterotopien der Moderne. Sozialistische Gesellschaftsutopien und kommunale Praxis im frühen 19. Jahrhundert

Anne Kwaschik

2016-2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DHIP


Kontingenz und Moderne haben als klassische Themen der Neuzeit in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, durchaus in der Kritik an den Thesen Reinhart Kosellecks, neues Interesse gefunden. Das Projekt knüpft an diese Entwicklungen an. Es diskutiert die Ambivalenzen von Modernisierungserfahrungen für die weniger thematisierte Zeit des frühen 19. Jahrhunderts am Beispiel des britischen und französischen Frühsozialismus. In methodischer Hinsicht orientiert es sich an wissens- und globalgeschichtlichen Perspektiven.

In ihren Reformentwürfen gegen und innerhalb der entstehenden Industriegesellschaften »entdeckten« die Frühsozialisten die soziale Prägekraft auf das Individuum. Sie erklärten die rationale Organisation dieser Beziehung zur Grundlage einer neuen Wissenschaft von der Gesellschaft, die Zukunft gestalten sollte. Gleichzeitig wurden diese sozio-politischen Entwürfe in die Praxis übersetzt. Zwischen den 1820er und 1860er Jahren entstand eine Vielzahl von genossenschaftlichen Siedlungsprojekten, die als Prototypen der neuen sozialen Ordnung fungierten.

Das Projekt untersucht einleitend auf der Grundlage der Archive, wie in diesen Netzwerken und Reformentwürfen ein transnationaler Kommunikationszusammenhang entstand. Im Zentrum steht dann die alltags- und wissensgeschichtliche Analyse der kommunalen Praktiken frühsozialistischer Siedlungsgemeinschaften außerhalb Europas: in Nordafrika (Algerien), Südamerika (Guyana, Brasilien, Venezuela, Guatemala) und im Südpazifik (Neukaledonien).

Ziel des Projekts ist es, das frühe 19. Jahrhundert als Transformationsphase für die Produktion von Gesellschaftswissen auszuweisen, die sich durch ihren experimentellen und globalen Charakter auszeichnet.

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