Beihefte der Francia

Band 82

Niels F. May, Zwischen fürstlicher Repräsentation und adliger Statuspolitik. Das Kongresszeremoniell bei den westfälischen Friedensverhandlungen, Ostfildern (Thorbecke) 2016.

» Rezension von Sébastien Schick, in: Revue de l'IFHA.

Zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges kamen in Münster und Osnabrück (1643–1648) die Gesandtschaften beinahe aller europäischen Fürsten zusammen. Durch zahlreiche Rangstreitigkeiten verzögerten sich die Friedensverhandlungen jedoch immer wieder. Die Gesandten setzen sich mit viel Energie für die ihnen angemessen erscheinende Stellung im Zeremoniell ein, und entsprechend wurde der Kongress bereits ab dem 18. Jahrhundert als Schlüsselmoment für die Entwicklung des Gesandtschaftszeremoniells interpretiert. Die vorliegende Studie analysiert diese Rangstreitigkeiten und zeigt, wie sich im Spannungsfeld von fürstlicher Repräsentations- und adliger Statuspolitik das frühneuzeitliche Kongresszeremoniell formierte.

Die Überlagerung unterschiedlicher Hierarchisierungsmuster und die Unbestimmtheit der verwendeten Ehrzeichen ermöglichten es sowohl den Fürsten als auch ihren Gesandten, Zeremonialstreitigkeiten zugunsten ihrer eigenen Statuspolitik zu instrumentalisieren.
Nicht nur Kategorien wie die Präzedenz zwischen den Königen oder die Anerkennung von Souveränität waren entscheidend für die Entwicklung des Zeremoniells; darüber hinaus spielten auch die Standesinteressen der Gesandten eine wichtige Rolle. Das Kongresszeremoniell erweist sich somit als Resultat eines komplexen Zusammenspiels von Aushandlungsprozessen um Ehrzeichen und Status, die zwischen den Akteuren vor Ort und den repräsentierten Fürsten geführt wurden.