Frühe Neuzeit

Forschungsprojekt

Edition der französischen Korrespondenzen der Akten zum Westfälischen Frieden

Acta Pacis Westphalicae, Mai–Oktober 1648: in Kooperation mit dem Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn (Prof. Dr. Michael Rohrschneider), Zentrum für Historische Friedensforschung.


Ziel des Projekts ist eine historisch-kritische Edition der französischen Korrespondenzen des Westfälischen Friedenskongresses für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 25. Oktober 1648. In dieser finalen Phase der Verhandlungen von Münster und Osnabrück entschied sich bei allen Beteiligten, ob es nach langen Jahren des Kriegs schließlich doch noch gelingen könnte, einen allgemeinen Frieden (pax universalis) zu schließen. Aus französischer Perspektive musste es sich in diesem Zeitraum erweisen, ob die eigenen kongresspolitischen Interessen und Ziele gewahrt bzw. friedensvertraglich umgesetzt und inwiefern die Kriege Frankreichs gegen den Kaiser und Spanien beendet werden konnten.

Im Rahmen der historisch-kritischen Edition der »Acta Pacis Westphalicae« (APW), herausgegeben von Max Braubach (†), Konrad Repgen (†) und Maximilian Lanzinner liegen die kaiserlichen und schwedischen Kongresskorrespondenzen in insgesamt 16 (Teil-)Bänden bereits vollständig vor (APW II A bzw. II C). An einer wichtigen Stelle weist diese hervorragende Quellenlage allerdings ein gravierendes Defizit auf: Der letzte Band der Korrespondenzen der Signatarmacht Frankreich (APW II B) fehlt. Ausgerechnet die Briefe des entscheidenden Zeitraums, der letzten Monate bis zum Friedensschluss vom 24. Oktober 1648, wurden bislang nicht ediert. Mit diesem Korrespondenzband soll nicht nur die Edition der französischen Korrespondenz, sondern zugleich die gesamte dreigliedrige Korrespondenzserie (APW Serie II) zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.

Nahezu sämtliche der hier historisch-kritisch zu edierenden französischen Schreiben sind nur handschriftlich überliefert; lediglich einige wenige liegen als Druck oder Teildruck in einer älteren Quellensammlung vor, die heutigen editorischen Anforderungen nicht genügt. Der Forschung werden somit etliche Briefe in edierter Form zur Verfügung gestellt, die bisher gar nicht oder kaum berücksichtigt wurden. Aus politikgeschichtlicher Perspektive erlauben die französischen Korrespondenzen einen tiefen Einblick in die letzten, zum Teil dramatischen Verhandlungsmonate vor dem Friedensschluss vom 24. Oktober 1648. Sie ermöglichen zahlreiche weiterführende Erkenntnisse in der Frage, wie es den Akteuren gelingen konnte, die bestehenden Hindernisse zu überwinden und schließlich doch noch zu einem Friedensschluss Frankreichs und Schwedens mit Kaiser und Reich zu gelangen. Zugleich werden anhand der französischen Korrespondenzen die Gründe für das letztliche Scheitern der Verhandlungen Frankreichs mit Spanien intensiver beleuchtet. Beide Mächte gelangten in Münster nicht zu einem Friedensschluss und setzen ihren Krieg noch bis zum Pyrenäenfrieden 1659 weitere elf Jahre fort.

Die Edition der französischen Korrespondenzen bietet wichtiges Quellenmaterial zu Forschungsfragen aus dem Bereich der sogenannten Neuen Diplomatiegeschichte (New Diplomatic History). Sie stellen nicht nur für die Frühneuzeitforschung eine Fundgrube dar, sondern sie bereichern auch generelle, chronologisch übergreifende Forschungen zur Geschichte der Internationalen Beziehungen. Die neuen französischen staats- und völkerrechtlichen Theorien konnten anlässlich der westfälischen Verhandlungen in die sich ausbildendende Staatenwelt und in die diplomatische Praxis eingebracht werden – die sich gerade dank ihrer neu formten. Weitere Forschungsfelder, die durch die Edition bereichert werden, stellen die Praktiken und Prozesse der Friedensstiftung oder auch Friedensideen und –vorstellungen dar, die in diachroner Weise von großer Relevanz sind. Die Endphase der Verhandlungen liefert außerdem reiches Quellenmaterial, um die Emotionsgeschichte mit der Politikgeschichte zu verbinden. Im Ganzen gesehen: Die französische Kongresskorrespondenz bietet große Potenziale zur Erforschung der Geschichte Frankreichs und des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation um die Mitte des 17. Jahrhunderts, die es noch intensiver auszuschöpfen gilt.