Neuere und Neueste Geschichte

Forschungsprojekt

Einwanderung und Wohnsegregation in Frankreich und in Deutschland (1970–2000)


An der Schnittstelle von Stadt, Migrations- sowie politischer Geschichte erforscht dieses Projekt den Zusammenhang zwischen zugewanderten Bevölkerungen und der Wohnsegregation von den 1970ern bis zum Anfang der 2000er Jahre in Frankreich und Deutschland (BRD vor 1989). Die Untersuchung beginnt mit der Analyse von zwei Stadtvierteln: die cité Olivier de Serres in Villeurbanne und das Westend in Frankfurt am Main. Ergänzt durch weitere französische und deutsche Fallstudien soll eine Topografie des prekären Wohnens und seiner sozialen Folgen entstehen.

Ziel des Projekts ist es, zu verstehen, ob und inwieweit Immobilienspekulation eine Rolle bei der Ghettoisierung und Stigmatisierung von Migranten gespielt hat. Dieser Zusammenhang scheint in der Geschichtsschreibung über Integration, städtischen Verfall und soziale Spannungen allzu oft vernachlässigt zu werden. Wenn wir den Zusammenhang zwischen einer fehlenden oder mangelhaften Wohnungspolitik und dem Integrationsgrad von Migranten analysieren und die daraus resultierende städtische Gewalt besser verstehen, erkennen wir auch die Elemente, die einige Stadtviertel im westeuropäischen Raum in Epizentren sozialer Spannungen verwandelten.

Ziel des Projekts ist es, zu verstehen, ob und inwieweit Immobilienspekulation eine Rolle bei der Ghettoisierung und Stigmatisierung von Migranten gespielt hat.

Als Untersuchungsgegenstand dienen Stadtviertel, da sie die kleinstmögliche Einheit sind, in der die Dimensionen des Zusammenlebens von Migranten und Einheimischen sichtbar werden. Diese Perspektive erlaubt außerdem, Migration in allen Bevölkerungsschichten zu beobachten. Werden die Auswirkungen von Immobilienspekulation, Stadtentwicklung und städtischem Funktionalismus  (Grundsatz der Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Gebäude nach ihrer tatsächlichen Funktion zu gestalten) sowie die mehr oder weniger beabsichtigte Wohnsegregation nicht beachtet, entsteht der Eindruck, es gäbe eine Korrelation zwischen der Konzentration von Migranten und Migrantinnen und dem Verfall von Städten. Dieser vereinfachende, scheinbare kausale Zusammenhang kann Stigmatisierung und sozio-urbane Konflikte schüren.

Der vergleichende Ansatz der Studie erlaubt es, drei Analyseniveaus zu kreuzen: die politische Analyse (Integrations- und Umbaumaßnahmen, politische Reden, parlamentarische Debatten); die Untersuchung von Migration (die Erfahrungen der Einwanderer und die Wahrnehmung von Einwanderung in der Öffentlichkeit) und die stadtsoziologische Ebene (Stadtplanung, Architektur, Zusammenleben mit den Einheimischen, Ausgrenzung).

 

Bildnachweis: Maxence Werp, La Cité Radieuse, Marseille, 2022, Licence Unsplash.