Die deutsche Afrikanistik im Allgemeinen und die Forschung zu Togo im Besonderen blickt tendenziell mit einer europäischen Perspektive auf die deutsche Kolonialgeschichte Westafrikas. Primär stellt sie deutsche Akteure in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung, wie Beamte, Missionare oder Kaufleute, während afrikanische Akteure lediglich – etwas vereinfachend – als Opfer, Widerständige oder ›Marionetten‹ kolonialer Politik erscheinen.
Der Vortrag möchte diese Perspektive grundlegend verschieben und die koloniale Herrschaft in Klein Popo (Little Popo / Aného / Anecho), einer alten Handelsstadt an der togoischen Küste, als einen Aushandlungsprozess gegenseitiger Abhängigkeit interpretieren – als ›bargain of collaboration‹. Im Zentrum stehen die Akteure Klein Popos, deren Beziehungen zur Kolonialherrschaft von wechselnden Formen von Kooperation und Konflikt – in Anlehnung Frederick Cooper – geprägt waren.
Anhand zweier Beispiele – kolonialer Grenzziehung und kolonialem Häuptlingswesen, bzw. chefferie – zeigt der Vortrag, dass der Kolonialismus in Klein Popo keineswegs einem kolonialen Masterplan folgte, sondern von hochgradig improvisatorischer Natur war. Er beruhte auf vorkolonialen Strukturen und war von einheimischen Akteuren hochgradig abhängig. Auf diesem Wege verwandelten sich koloniale Machtmittel in den Händen der einheimischen Bevölkerung plötzlich in Werkzeuge, die auch zur Durchsetzung afrikanischer Interessen dienten.
Für eine Teilnahme vor Ort ist keine Anmeldung erforderlich.
Anmeldung für eine Online-Teilnahme: Zoom
Veranstaltung in englischer Sprache.
Bildnachweis: Eine Straßenszene in Anecho (heute: Aného), eine Stadt in Little Popo, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum /CC BY-NC-SA 4.0, https://recherche.smb.museum/detail/616802/togo--anecho-----.

