Immigrants on an Atlantic Liner, by Edwin Levick, 1906, No known restrictions on publication, https://www.loc.gov/pictures/item/97501073/
In dieser Keynote gibt Dr. Lorella Viola einen Überblick über die Digital Migration Studies und zeigt, wie digitale Quellen und Methoden die Fragestellungen, Maßstäbe und Narrative der Migrationsgeschichte verändern. Ausgehend von ihrer Forschung zur italienischen Migration in die Vereinigten Staaten um die Wende zum 20. Jahrhundert diskutiert sie, wie sich migrantische Narrative, Identitätsbildungsprozesse und Aushandlungen von Zugehörigkeit in Aufnahmegesellschaften mithilfe digital zusammengestellter historischer Korpora untersuchen lassen.
Im Zentrum des Vortrags steht ChroniclItaly, ein Korpus italienischer Diaspora-Zeitungen zur italienischen Migration in die Vereinigten Staaten um die Wende zum 20. Jahrhundert. Eine Analyse des Korpus zeigt, wie italienische Migrantinnen und Migranten sich selbst, ihre Gemeinschaften sowie ihre politischen und sozialen Lebenswelten beschrieben haben. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, mithilfe digitaler Methoden wie Korpusaufbau, Textanalyse sowie der Kartierung von Orten und Entitäten, die in den Quellen erwähnt werden, neue Perspektiven auf Migration, Remigration, Identitätskonflikte und politische Zugehörigkeiten zu eröffnen.
Die Keynote beleuchtet sowohl das analytische Potenzial dieser Ansätze als auch die interpretativen Herausforderungen, die sie mit sich bringen, und bietet damit einen kompakten Einblick in Methoden, Projekte und Forschungsergebnisse eines Feldes, das die migrantische Erfahrung sowohl mithilfe computergestützter Analysen als auch durch close reading untersucht.
Dr. Lorella Viola ist Assistant Professor für Digital Humanities & Society an der Vrije Universiteit Amsterdam. Ihre Forschung untersucht, wie Macht, Ideologie und kulturelle Annahmen durch Sprache und digitale Infrastrukturen wirken und dadurch Wissen sowie kulturelles Gedächtnis prägen. Sie entwickelt Methoden und theoretische Ansätze der Digital Humanities, um die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Transformationen zu analysieren. In ihren jüngsten Büchern »The Humanities in the Digital« (Springer) und »Multilingual Digital Humanities« (Routledge) denkt sie die Rolle der Geisteswissenschaften in digital geprägten Welten neu. Ihre Arbeiten zeigen, wie digitale Systeme aktiv mitbestimmen, welche Stimmen im Archiv sichtbar und lesbar werden, und plädieren für dekoloniale sowie infrastrukturbewusste Ansätze im Umgang mit digitalem Kulturerbe.
Die Teilnahme vor Ort ist ohne Anmeldung möglich.
Zoom: https://maxweberstiftung.zoom-x.de/webinar/register/WN_PtAvaCQQRH2Eo-_hny-yWQ
Vortrag in englischer Sprache
