Die Geschichte sozialer Mobilisierungen in Europa und die Geschichte der europäischen Integration wurden lange Zeit getrennt voneinander geschrieben und sind nach wie vor weitgehend unverbunden. Dabei war der Aufbau des europäischen Projekts schon sehr früh Gegenstand von Debatten, die von den 1950er-Jahren bis heute soziale Bewegungen anregten. Diese begleiteten den Prozess der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Konvergenz der europäischen Gesellschaften und trugen dazu bei, ihn zu gestalten, neu auszurichten oder zu beschleunigen. Dies war der Fall seit den ersten Protesten gegen die Gemeinsame Agrarpolitik bis hin zu den Umweltbewegungen des 21. Jahrhunderts, von der Mobilisierung von Lkw-Fahrern und Eisenbahnern und transnationalen sozialen Konflikten wie dem Streik bei Renault-Vilvoorde bis zu Demonstrationen gegen die Bolkestein-Richtlinie. Diese Mobilisierungen haben die Konturen eines »Europa von unten« geprägt und spiegeln die wachsende Rolle der Zivilgesellschaft in der europäischen Integration wider. Sie haben auch zur Akzeptanz und Legitimierung der wirtschafts- und sozialpolitischen Kompromisse auf der europäischen Ebene beigetragen.
Die internationale Tagung wird vom Jean-Monnet Chair EU-CONV mit Mitteln der Europäischen Union in Kooperation mit Sciences Po Rennes, der Universität Sorbonne Nouvelle und dem DHIP organisiert, mit freundlicher Unterstützung der Region Bretagne und Rennes Metropole.
Wo: Sciences Po Rennes, 104 Boulevard de la Duchesse Anne, 35000 Rennes
Bildnachweis: Demonstration von europäischen Bauern anlässlich des Europäischen Rats im März 1984 in Brüssel, Historical Archives of the European Union.

