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Call for Papers: Diplomatische Hauptstädte

Transformationen, (De-)Lokalisierungen, Legitimationen seit 1945

Wissenschaftlicher Beirat: Laurence Badel (Paris 1 Panthéon-Sorbonne), Nicolas Badalassi (Sciences-Po Aix), Anne-Sophie Gijs (UCLouvain), Jürgen Finger (Deutsches Historisches Institut Paris)

Ort: Deutsches Historisches Institut (Paris)
Datum: 6.–7. Juni 2023
Bewerbungsschluss: 15. Januar 2023

Die Forschung über Hauptstädte wurde in den letzten dreißig Jahren überwiegend von einer konstruktivistischen Lesart geleitet, die diese aus einem symbolischen Blickwinkel betrachtet und nicht als Orte der tatsächlichen Macht. Ohne die Bedeutung von Wahrnehmungen und Vorstellungen zu schmälern, wird der Studientag die Besonderheiten der »diplomatischen Hauptstadt« (diplomatic capital) im Vergleich zur internationalen Hauptstadt (international capital) oder »Weltstadt« (global city) untersuchen.

Der Begriff der diplomatic capital, der ausgehend von europäischen Erfahrungen entwickelt wurde (vgl. Badel, Revue historique, 2022-3, Nr. 703), soll als analytisches Konzept fruchtbar gemacht werden, um die besondere Relevanz solcher Städte im Kontext der Umstrukturierungen der internationalen Beziehungen seit 1945 zu untersuchen. Das zielt auch, aber nicht nur, auf Städte, in denen internationale Organisationen ihren Sitz haben, wo regelmäßig Konferenzen von Nichtregierungsorganisationen oder Kongresse von Aktivisten stattfinden oder wo in sonstigen »Foren« diplomatische Gespräche geführt werden – ohne dass diese Städte unbedingt Sitz einer Regierung sein müssen.

Während sich die diplomatischen Hauptstädte bis 1945 im atlantischen Raum konzentrierten, haben sie sich seither auf allen Kontinenten verbreitet, nicht zuletzt weil die entkolonialisierten Staaten so am Funktionieren der internationalen Ordnung teilhaben konnten. Der Studientag soll in erster Linie beleuchten, wie sich neue außereuropäische diplomatische Hauptstädte in Afrika, Asien und Lateinamerika während und nach dem Kalten Krieg behaupteten, auch im Vergleich und Konkurrenz zu alten und neuen europäischen diplomatic capitals. Zudem soll das analytische Potenzial des Konzepts und seine Eignung geprüft werden, die Transformationen sowohl des Multilateralismus als auch der regionalen und kommunalen Räume nach 1945 zu erfassen.

Nähere Informationen und die fünf von den Organisatorinnen und Organisatoren vorgeschlagenen analytischen Achsen entnehmen Sie bitte der vollständigen Ausschreibung auf Deutsch oder auf Englisch.