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Call for Papers: Paris als Standort der deutschen Diplomatie (1868 bis heute)

Workshop am Deutschen Historischen Institut Paris in Kooperation mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Paris – 12./13. April 2023

Wissenschaftlicher Beirat: Corine Defrance, Jürgen Finger, Niels F. May, Ulrich Pfeil, Thomas Maissen

Paris ist einer der wichtigsten Standorte des deutschen diplomatischen Dienstes seit der Gründung des Norddeutschen Bundes. Diese herausgehobene Position resultiert aus der Schlüsselrolle der bilateralen Beziehungen der beiden Nachbarn am Rhein – egal ob diese eher friedlich oder feindschaftlich geprägt waren – sowie der Rolle beider Länder für die europäische Ordnung des 19. und 20 Jahrhunderts und die multilaterale internationale Ordnung. Die Bedeutung der deutsch-französischen »Lokomotive« für die europäische Integration ist ein Beispiel für die Bedeutung der beiden Länder in internationalen und supranationalen Organisationen und Gremien.

Parallel zur Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen und der internationalen Ordnung, in die diese eingebettet waren und sind, hat sich in den letzten rund 150 Jahren das diplomatische Geschäft in vielerlei Hinsicht verändert: durch personellen Ausbau; durch die Ausdifferenzierung und Vervielfachung der (auch multilateralen) Einrichtungen; mit klar geregelten Laufbahnen und vergleichsweise kurzen Aufenthalten an einem Ort; währenddessen änderten die beschleunigten Kommunikations- und Reisewege zwischen den Hauptstädten sowie regelmäßige Treffen von Staatshäuptern und Ministern die Funktion des diplomatischen Dienstes vor Ort und reduzierten möglicherweise seine politische Bedeutung. Letzteres mag dazu beigetragen haben, dass die zeithistorische Forschung sich generell eher selten für Botschafter und Diplomaten interessiert hat. Im konkreten Fall ist die Rolle der deutschen Botschafter in Paris für die bilateralen Beziehungen noch nicht systematisch erforscht.

Dieser Workshop soll deshalb an zwei Halbtagen Potenzial und Herausforderungen einer näheren Untersuchung der diplomatischen Tätigkeiten am »Standort Paris« und seiner Spezifika erkunden. Zwei Zugriffe stehen dabei im Vordergrund: ein biographischer und prosopographischer, an Botschaftern und Diplomaten orientierter Zugriff, der es ermöglichen soll, die Bedeutung von Paris als Standort der deutschen Diplomatie zu fassen, etwa auch für diplomatische Karrieren, Prägungen und Netzwerke. Währenddessen fragt ein systematischer Ansatz nach dem institutionellen Kräftefeld, innerhalb dessen die Botschafter agierten.

Über einzelne Botschafterpersönlichkeiten hinaus wird der Workshop so übergreifenden thematischen Fragen nachgehen. Für ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Strukturen und ihrer historischen Wandlungsprozesse müssen gesellschaftliche Faktoren und kulturelle Fragestellungen im Sinne der Neuen Diplomatiegeschichte und der Erforschung diplomatischer Praktiken berücksichtigt werden. Nicht zuletzt kann am konkreten Beispiel von Paris die sich wandelnde Rolle und Funktion des diplomatischen Dienstes im 20. Jahrhundert erkundet werden. Das erlaubt Überlegungen, die über diesen Standort hinausweisen.

Mögliche Fragen und Themen sind:

  • die diplomatischen Neuanfänge am Standort Paris nach den Kriegen 1871, 1918, 1945,
  • die Vorkriegs- und Kriegsbiographien der Botschafter,
  • die diplomatische Konkurrenz von BRD und DDR in Paris,
  • der Empfang deutscher Diplomaten durch das französische Außenministerium und in der Pariser Gesellschaft,
  • die Beurteilung deutscher Diplomaten in den Archiven des Quai d’Orsay,
  • die deutschen Vertretungen bei den multilateralen Organisationen: OEEC/OECD, Unesco, NATO (bis 1967),
  • die Bedeutung von Paris für die diplomatische Karriere; und umgekehrt Karrierevoraussetzungen für diplomatische Posten in Paris,
  • Gestaltungsspielräume von Botschaftern im bilateralen Verhältnis,
  • die Vorbereitung und Mitwirkung bei Gipfeltreffen,
  • Selbstverständnis und Rolle von Botschaftern in Krisenmomenten,
  • Voraussetzungen und Leistungen der Diplomaten (sprachliche und kulturelle Kenntnisse etc.),
  • die Rolle der institutionalisierten Zusammenarbeit (Austausch von Verwaltungskadern, Teilnahme an Ministersitzungen, Gipfeltreffen, Staatsbesuche und deren Begleitung).


Wir begrüßen Vorschläge für 20-minütige Vorträge in deutscher oder französischer Sprache. Die Arbeitstagung findet voraussichtlich am Deutschen Historischen Institut und in der deutschen Botschaft in Paris statt. Bitte senden Sie Vorschläge (max. 500 Worte) und einen Lebenslauf bis zum 15. November 2022 an Dr. Jürgen Finger: jfinger@dhi-paris.fr.

» Zum Call for Papers (pdf)