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Das DHIP trauert um Roger Klimke

Anfang Februar 1994 nahm Roger Klimke seine Tätigkeit als Hausmeister des DHIP auf. Sein handwerkliches Geschick hatte er schon als Mitarbeiter des Umzugsunternehmens bewiesen, als das Institut von der Rue Maspéro in das neue Gebäude an der Rue du Parc-Royal im Marais umzog. Als Hauswart des DHIP hatte er ein weites Betätigungsfeld, das sich durch technische Entwicklungen laufend veränderte. Er montierte, schraubte, bastelte und reparierte, von der Heizung über die Beleuchtung zu Stühlen, Tischen, Fenstern, Türen und Garderoben. Er kümmerte sich um tropfende Wasserhähne genauso wie um die Pflanzen im Innenhof, schnitt den Wein an der Außenfassade, kärcherte die Pflastersteine, brachte die Briefe zur Post. Ohne ihn hätte es keinen Weihnachtsbaum, keine Schilder an den Bürotüren, kein Papier an den Druckern gegeben und viele von uns hätten ohne ihn keine Bilder in den Büros hängen. Ohne sein Zupacken war das manchmal eilige Umstellen der Möbel im Vortragssaal nicht möglich, und in außerordentlichen Situationen – heftige Schneefälle oder Wasserschäden – war seine Improvisationsgabe gefragt. Nicht zuletzt pflegte Roger Klimke den Kontakt mit Handwerkern und Anbietern. Auch am Empfang oder im Innenhof war der Hauswart für viele Gäste die erste Kontaktperson des DHI, mit der man zusammenkam und gerne ein paar Worte wechselte.

Im Institutsteam hatte Roger als einer der dienstältesten Mitarbeiter eine besondere Rolle. Sein eigentliches Reich war die Institutsgarage, wo er werkte und bastelte, vor allem an Fahrzeugen. Für sich und seine Gäste hatte er dort eine große Fernsehecke gemütlich eingerichtet. Musikanlage, ein Kühlschrank für das Bier und reichlich Aschenbecher machten diesen Ort zu einem Treffpunkt besonders von jüngeren Mitarbeitenden und Praktikanten oder Tagungsteilnehmern. Legendäre Tischfußballturniere wurden dort ausgetragen, der Pingpongtisch erlaubte Abwechslung, und als Höhepunkte winkten Übertragungen des FC St. Pauli, Rogers Kultclub. In der Oberwelt berühmt waren die Sommerfeiern im Innenhof, bei denen Roger den Grill betreute, oder seine Suppen bei Feten im Winter. Und gelegentlich überraschte Roger seine Kolleginnen und Kollegen als Autor von Artikeln in Autozeitschriften oder als Vorkämpfer für die Lebensrechte von unökologischen Oldtimern.

So war der unübersehbare, filmwürdige Hauswart eine Institution innerhalb der Institution, den man sich nicht wegdenken konnte und den jeder auf seine Art mochte. Dabei war Roger Klimke ein sensibler Mensch, der diese Sensibilität hinter einer manchmal rauen Schale verbarg. Da konnten gelegentlich auch lautere Worte fallen, die er aber meist selbst als erster bereute. Roger war kein nachtragender Mensch, und er bewahrte auch im fortschreitenden Alter seine spitzbübische, humorvolle Ader. Es gab in seinem Aufgabenfeld Tätigkeiten, die ihm entsprachen, und andere, denen er eher auswich. Wie eine Vorgesetzte es einmal ausdrückte: überall präsent und manches Mal unauffindbar.

Rogers Gemütlichkeit war mit Gutmütigkeit gepaart und mit Knautschzonen versehen, aber auch mit einem festen Willen, der sich nicht auf Dauer biegen ließ. Er konnte sehr hilfsbereit und großzügig sein und spontan aushelfen; in anderen, gestressten Situationen wollte er sich bitten lassen, was nicht jedem immer leicht fiel. Wir konnten ihn unbeschwert und leutselig erleben, es gab aber stets auch Momente, in denen er sich zurückzog. Über Sorgen zu sprechen war nicht seine Art. Doch es blieb nicht verborgen, dass es sie gab; und einige haben ihn offensichtlich überfordert.

So ist Roger Klimke am 14. August 2018 im Alter von 58 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Die Mitarbeitenden des DHIP sind fassungslos und trauern mit den Hinterbliebenen, insbesondere mit seiner Frau und Mutter.