30.01.2023

Online und vor Ort: Divan historique

Peter Geimer (DFK), Die Farben der Vergangenheit. Wie Geschichte zu Bildern wird

  • Podiumsdiskussion 19. Jahrhundert 20. und 21. Jahrhundert
  • 18:30 Uhr (30.01.) - 20:00 Uhr (30.01.)
  • DHIP

Die Geschichte wird von Historikern und Historikerinnen meist in gesprochener und geschriebener Sprache erzählt. Sie steht in Konkurrenz zu Bildern, die unsere Vorstellungen von der Vergangenheit prägen. In diesen Bildwelten trägt Napoleon eine graue Redingote über einer grünen Uniformjacke, das »Dritte Reich« ist schwarz-weiß und erst mit Farbfotos und -fernsehen wurde die Welt scheinbar wieder bunt. Die Entdeckung früher Farbfotografien und die Kolorierung von Schwarz-Weiß-Fotos mit Hilfe künstlicher Intelligenz haben diese Gewissheiten in den letzten Jahren allerdings in Frage gestellt.

Wie wir uns die Vergangenheit vorstellen, hängt nicht zuletzt von den Bildern ab, die uns überliefert wurden: Historiengemälde, Fotografien, Filme, digitale Reanimationen. Der Kunsthistoriker Peter Geimer fragt, was Bilder zu visuellen Zeugnissen macht und wie sie Geschichte Gestalt verleihen. Dabei zeigt sich, dass Bilder nicht einfach historische Sachverhalte illustrieren, sondern selbst Erscheinungsformen der Geschichte sind.

Wie Schriftquellen, so rekonstruieren Bilder Geschichte nur bruchstückhaft – sie bilden Fragmente auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das vorliegende Buch stellt vielfältige Erscheinungsweisen visueller Rekonstruktion in den Medien Malerei, Fotografie und Film vor. Die Zusammenschau zeigt, dass diese diversen Formen der Vergegenwärtigung – vom detailgenau rekonstruierenden Historienbild des 19. Jahrhunderts über das dokumentarische Foto bis zum »reenactment« im zeitgenössischen Video – sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Imagination des Vergangenen darstellen.  

Diesen Fragen geht Peter Geimer, Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, in seinem vielbesprochenen Buch »Die Farben der Vergangenheit. Wie Geschichte zu Bildern wird« nach. Seit Oktober 2022 ist er Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte (DFK), ebenfalls Teil der Max Weber Stiftung. Das kunsthistorische Schwesterinstitut des DHIP  liegt im
1. Arrondissement von Paris.

Mit ihm diskutiert Sabine Frommel, Professorin an der École pratique des hautes-études und Spezialistin für die Kunstgeschichte der Renaissance in Frankreich und Italien. Corine Defrance (Paris) und Ulrich Pfeil (Metz) moderieren die Diskussion.

Veranstaltung in französischer Sprache.

Anmeldung für eine Online-Teilnahme: Zoom
Für eine Teilnahme vor Ort ist keine Anmeldung erforderlich.

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Paris, der Universität Lorraine/Cegil und SIRICE.

Bildnachweis: Ernest Meissonier, 1807, Friedland (ca. 1861–75), Gemälde (Öl auf Leinwand), 135.9 x 242.6 cm, Metropolitan Museum, New York. Foto: Public Domain.