Veranstaltungen

Dialog und Austausch

15.05.2018

Das Ende des Krieges: Frankreich, Deutschland und Europa (1917‒1923)

Les conséquences du traité de Versailles en France et en Allemagne

  • 20. und 21. Jahrhundert Vortrag
  • 18:30 Uhr (15.05.) - 20:30 Uhr (15.05.)
  • DHIP

Jean-Michel Guieu (Universität Panthéon-Sorbonne, Paris): Vollständige Erfüllung, Konzessionen oder Revision ? Die französische Gesellschaft und die Umsetzung des Versailler Friedensvertrages

Wolfram Pyta (Universität Stuttgart): Hat Versailles Hitler hervorgebracht?

Zum Vortrag von Jean-Michel Guieu: Vollständige Erfüllung, Konzessionen oder Revision? Die französische Gesellschaft und die Umsetzung des Versailler Friedensvertrages

»Dieser so komplizierte Vertrag wird das wert sein, was Sie selbst wert sind. Er wird das sein, was sie aus ihm machen.« Mit diesen Worten wandte sich Georges Clemenceau an die französischen Abgeordneten während der Debatten zur Ratifizierung des Versailler Friedensvertrages. Die Auslegung des Vertrages gegenüber Deutschland führte zu ganz unterschiedlichen politischen Richtungsentscheidungen und Maßnahmen. Daraus resultierte in Frankreich eine Kontroverse zwischen den Verfechtern einer vollständigen und genauen Erfüllung des Textes, der an vielen Stellen noch vage und offen geblieben war, und den Verfechtern einer Politik der Konzession oder gar Revision.

Zum Vortrag von Wolfram Pyta (Universität Stuttgart): Hat Versailles Hitler hervorgebracht?

Wie stark der Versailler Vertrag die erste deutsche Demokratie belastete, wird in der Forschung bis heute kontrovers diskutiert. Der Vortrag will diese Frage sowohl aus einer politikhistorischen wie aus einer kulturhistorischen Perspektive in den Blick nehmen. Kulturhistorisch ist dabei vor allem von Interesse, ob die Folgen des Versailler Vertrags dazu beitrugen, die Kluft zwischen Erwartungen und Erfahrungen zu verbreitern und damit der Weimarer Demokratie eine strukturelle Last aufbürdeten.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe »Les sorties de guerre – France, Allemagne, Europe 1917-1923«, organisiert vom DHIP und der Mission du Centenaire de la Première Guerre mondiale.

Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 eröffnete eine Phase langwieriger und komplexer Friedensverhandlungen, die im Kontext von Grenzverschiebungen und territorialer Neuordnung stattfanden. Dabei bedeutete der Waffenstillstand nicht das sofortige Ende von Kampfhandlungen und Gewalt, er wich oftmals Phasen revolutionärer Spannungen und Erhebungen, die die Geschichte der Zwischenkriegszeit zutiefst prägten. Parallel suchten die europäischen Gesellschaften, die Folgen des Krieges zu bewältigen. Sie entwickelten ein zum Teil widersprüchliches Gedenken an den Krieg, der mit hohen Opfern und Gefallenen verbunden war, in Deutschland und Frankreich aber auch den Beginn einer neuen politischen und sozialen Ära bedeutete. Der Krieg hatte das Ende der Belle Epoque besiegelt, um zugleich dem Internationalismus und Pazifismus der 1920er und 1930er Jahre zum Aufschwung zu verhelfen.
Vier große Themen, die miteinander verflochten sind und sich gegenseitig bedingen, gehen aus der geschilderten Problematik hervor: Revolution, Friedensverträge, Wiederaufbau, Gedenken.

Informationen und Anmeldung: event@dhi-paris.fr