Beihefte der Francia

Band 81

Martin Wrede, Laurent Bourquin (Hg.), Adel und Nation in der Neuzeit. Hierarchie, Egalität und Loyalität, 16.–20. Jahrhundert (Beihefte der Francia, 81), Ostfildern 2017.

Die Begriffe »Adel« und »Nation« passen auf den ersten Blick nicht zusammen.  Hier die umfassende Gemeinschaft, meist ethnisch geprägt, territorial definiert und tendenziell egalitär; dort die hierarchische soziale Elite, die auch nationale Grenzen hinter sich lassen kann. Aber gerade darum ist das Verhältnis, das Adel und Nation zueinander fanden, ein wichtiges Thema. Dass es sich dabei um ein Spannungsverhältnis handelt, zeigt sich im Laufe des langen 19. Jahrhunderts und besonders bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als der nationale Loyalitätsanspruch das ständische bzw. dynastische Prinzip verdrängte. Die Spannung reicht indessen weit in die Frühe Neuzeit zurück. In Frankreich stellte sich bereits während der Religionskriege die Frage der konfessionellen oder nationalen Zuverlässigkeit des Adels. In Deutschland oder auch in England provozierten die Kriege Ludwigs XIV. Wellen der Frankophobie, die sich vielfach mit Adelskritik verband. Gleichzeitig ist zu konstatieren, dass Adel und Nation meist recht auskömmlich zueinander fanden. »Deutsche Freiheit« etwa war vor allem Adelsfreiheit, doch sie erhob, so zumindest ihre publizistischen Herolde, alle Deutschen. Der Adel des Ancien Régime sah sich als selbstverständliche Elite der französischen Nation. Rekurse auf »Vaterland« und »Nation« spendeten zu jeder Zeit und überall Legitimität. Dieser Band nimmt daher Adel und Nation vom 16. bis zum 20. Jahrhundert in den Blick. Er betrachtet Deutschland, Frankreich und andere Teile Europas, von Irland bis zum Baltikum.