Mittelalter

Forschungsprojekt

Bettelorden und Herrschaft. Die Rolle der Franziskaner in der Binnenstruktur des Königreichs Mallorca (1276–1343)



Im Jahr 1334 schreibt Sancha von Mallorca, Königin von Neapel, einen Brief an das franziskanische Generalkapitel, in dem sie ihre franziskanische Gesinnung durch ihre Herkunft zu legitimieren versucht. Sie nennt ihre Mutter, Sclaramonde de Foix, Königin von Mallorca, filia vera beati Francisci, ihren Bruder Jakob, der auf die Thronfolge verzichtete und Franziskaner wurde sowie ihre Vorfahrin, die Heilige Elisabeth von Thüringen. Ihren Bruder Philipp, von 1324 bis 1329 Regent in Mallorca und Sympathisant der Spiritualen – und damit im Widerspruch zu Papst Johannes XXII. – nennt sie nicht. Dies lässt sich nur aus diplomatischen Überlegungen Sanchas erklären und zeigt bereits die gegenseitigen Abhängigkeiten von Königsherrschaft und franziskanischem Armutsideal, die im Zentrum des geplanten Dissertationsvorhabens stehen. Untersuchungsraum ist das Königreich Mallorca, das Jakob I. der Eroberer 1272 für seinen zweiten Sohn schuf und das von 1276 bis 1343 als von der Krone Aragón unabhängiges Reich existierte. Es umfasste die Inseln Mallorca, Menorca und Ibiza, die Grafschaften Roussillon und Cerdagne, die Herrschaft Montpellier und weitere kleine Gebiete auf dem Festland.

Das Forschungsprojekt untersucht die innere Verfasstheit dieses fragmentierten Reiches anhand des Verhältnisses zwischen Königtum und Bettelorden, speziell den Franziskanern.

Das Forschungsprojekt untersucht die innere Verfasstheit dieses fragmentierten Reiches anhand des Verhältnisses zwischen Königtum und Bettelorden, speziell den Franziskanern. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung des Ordens bei der Binnenorganisation und Integration des Reiches. Dabei liegt der Fokus auf folgenden Analysekategorien: Auf Seiten des Königtums sind dies Stiftungen und die Wahl eines Klosters als Begräbnisstätte, das Verhalten im Spiritualen- und Armutsstreit, die Frage, inwiefern sich franziskanische Spiritualität auf die Herrschaftspraxis auswirkt sowie die Frage nach dem Verhältnis von König und Königin in Beziehung zu den Konventen. Auf Seiten der Franziskaner stehen Fragen nach Funktionen von Ordensmitgliedern am Königshof, die möglicherweise als Gesandte, Diplomaten, Berater, Beichtväter und Lehrer agierten; ebenso aber auch die Rolle der Universität Montpellier und des dortigen Studium Generale in der Herrschaftsausübung. Neben dem Königtum und den Klöstern selbst sind die Ordensorganisation sowie die anderen Bettelorden, vor allem die ebenfalls sehr aktiven Dominikaner zu beachten.

Die Dissertation wird betreut durch Prof. Wolfgang Huschner (Universität Leipzig).

Zur Abbildung:
Symbol der Macht: Das Franziskanerkloster in Palma de Mallorca (Foto: Thomas Friedrich)